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„Jedes Wasser schmeckt anders“

Im Patina Restaurant in Los Angeles schwenkt man das Mineralwasser als wäre es Wein. Die Wasserkarte steht der Weinkarte in nichts nach und bietet 20 edle Tropfen aus neun verschiedenen Ländern, die den Gästen vom hauseigenen Wassersommelier eingeschenkt werden. Man mag meinen in den USA sei sowieso alles bigger and better und ein solches Angebot die Konsequenz eines übersättigten Markts, aber gemäss David Cobbold hat die Wasserkarte des Patina Restaurants ihre Daseinsberechtigung. Denn, Wasser hat Geschmack und Cobbold schmeckt ihn. Der gebürtige Engländer lebt heute in Paris und arbeitet seit 35 Jahren im Weinhandel. Er veranstaltet Weinkurse, ist freischaffender Journalist und Autor von über 20 Büchern. Für ihn ist Wasser wie Wein und beides Geschmackssache.

Würden Sie mir Ihre Zunge zeigen?

(lacht) Kein Problem, ich zeige meine Zunge ja auch dem Arzt. Die ist nichts Spezielles, einfach eine Zunge wie jede andere auch.

Wenn die Zunge aussieht wie jede andere, was unterscheidet einen Weinexperten, der Wasser degustiert, von der breiten wassertrinkenden Bevölkerung?

Wasser degustieren ist wie Wein degustieren, nur hat Wasser mehr Feinheiten – die Unterschiede sind kleiner als beim Wein. Beim Degustieren von Wasser muss man sich also a) mehr konzentrieren und b) auch kleinsten Details Aufmerksamkeit schenken. Vor einer Degustation sollte man daher auf geschmacksintensive Nahrung oder Getränke verzichten, also keine Schokolade essen und keinen Kaffee trinken.

Darf man sich eine Wasserdegustation ähnlich vorstellen wie eine Weindegustation? Mit Schwenken, Schmecken, Schlürfen und Spucken?

Man geht grundsätzlich ähnlich vor. Egal ob Wasser oder Wein, man sollte nicht trinken, sondern die Flüssigkeit nach der Degustation wieder rausspucken, denn unsere Geschmacksnerven liegen im Mund, nicht im Hals. Ausserdem müsste man ständig auf die Toilette, wenn man bei einer Degustation alles trinken würde.

Wie schmeckt Wasser?

Ich würde die Frage nicht auf das Wasser, sondern auf Wasser im Plural beziehen, denn jedes Wasser schmeckt anders. Jeder kann diese Unterschiede schmecken. Bei HENNIEZ kann man den Wald rund um die Quelle durchaus schmecken. ACQUA PANNA ist hingegen etwas leichter und neutraler. Schlussendlich ist alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Würde ich Ihnen nun ein Glas Wasser offerieren, könnten Sie mir sagen aus welcher Quelle das Wasser stammt?

Hängt davon ab, wann und wie oft ich das Wasser schon probiert habe, denn ein Geschmacksgedächtnis kann Informationen nur für eine gewisse Zeit speichern. Die meisten Wasser von Nestlé habe ich schon mehrfach probiert und von einigen hat sich mir ein visuelles Bild eingeprägt. SOHAT aus dem Libanon schmeckt zum Beispiel wie geschmolzener Schnee, das mag ich besonders gut.

Haben Sie sich nach einer Wasser-Degustation schon einmal berauscht gefühlt?

(lacht) Nein, nicht wirklich. Ich kann mir aber vorstellen, dass man sich nach der ganzen Konzentration und dem Fokussieren auf den Geschmack durchaus benommen fühlen kann.

Wie würden Sie Ihren Gästen Wasser servieren, damit es am besten schmeckt?

Als erstes würde ich das Wasser, welches ich meinen Gästen serviere, behutsam auswählen. Es müsste natürlich die richtige Temperatur haben - wie ein Weisswein soll es kühl sein, aber nicht zu kalt. Es gibt nichts Schlimmeres als eisgekühltes Wasser, das nach Chlor schmeckt, furchtbar. Ich würde das Wasser in der originalen Glasflasche oder für edlere Anlässe auch mal in der Karaffe servieren.

Ich habe Durst gekriegt und Sie?

(lacht) Ich definitiv auch!

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