Wie sich der Geschmackssinn Ihres Kindes entwickelt und beeinflussen lässt

Haben Sie Fragen?
Online-Beratung nicht verfügbar? Schreiben Sie eine Nachricht

Der Einfluss der Muttermilch

Geschmäcker sind verschieden. Warum uns etwas gut schmeckt oder nicht wird vor allem durch Prägung, Gewöhnung und durch biologische Gegebenheiten bestimmt.

Deshalb sollte der „Geschmackserziehung“ eine besondere Bedeutung zugeschrieben werden.

Der Mensch entwickelt seine Geschmacksknospen bereits im Mutterleib und zwar ca. in der 8. Schwangerschaftswoche. Das Fruchtwasser, welches der Fötus schluckt, wird durch die Aromastoffe der mütterlichen Ernährung beeinflusst und gibt bereits bestimmte Geschmacksmuster an das Ungeborene weiter. Sobald das Kind geboren ist, folgt die Prägung durch die Muttermilch. Die verschiedenen Aromen, die die Mutter durch die Nahrung aufnimmt, werden in die Muttermilch übertragen, wodurch das Kind sein Geschmacksmuster weiter entfaltet. Deshalb hat die Nahrung der Mutter während des Stillens einen wesentlichen Einfluss auf die späteren Vorlieben des Kindes.

Angeborene Vorliebe für Süsses

Der Geschmackssinn ist für Neugeborene der wichtigste und am weitesten entwickelte Sinn. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Neugeborenen auf verschiedene Geschmäcker reagieren. Zum Beispiel sind sie wohlig und zufrieden bei süssem Geschmack, zeigen jedoch eine Ablehnung gegenüber Saurem und Bitterem. Diese Präferenzen lassen sich biologisch erklären. Der süsse Geschmack gibt dem Menschen ein Gefühl von Schutz, denn die energiehaltigen Kohlenhydrate sind ungiftige und somit sichere Nahrung. Der bittere Geschmack hingegen weist auf giftige Nahrung hin und der saure Geschmack auf Verdorbenes.

Das „Sauce Béarnaise-Phänomen“

Wenn wir schlechte Erinnerungen an verzehrte Lebensmittel haben, beispielsweise wenn wir danach erbrechen müssen, entsteht eine Abneigung gegenüber dem Nahrungsmittel. Diese Aversion, die ein Leben lang bestehen kann, wird „Sauce-Béarnaise-Phänomen“ genannt. Hingegen können auch positive Präferenzen für Lebensmittel entstehen. Kinder mögen beispielsweise häufiger Lebensmittel, die in angenehmen Situationen gegessen werden. Dadurch lässt sich möglicherweise auch die Präferenz für energie- und fettreiche Lebensmittel erklären, denn diese Nahrungsmittel werden oft in angenehmen Situationen, wie z.B. an Festen oder wenn Besuch da ist, konsumiert.
Geschmacksvorlieben können trainiert werden!

Ausdauer ist gefragt

Die Entwicklung der Geschmacksvorlieben wird durch den „Mere Exposure Effect“ geprägt, welcher sehr gut am Beispiel Kaffee erklärt werden kann. Wer das erste Mal Kaffee trinkt, dem ist der herbe Geschmack oft zu stark und er wird durch Milch oder Zucker abgemildert. Wenn man danach regelmässig Kaffee trinkt, gewöhnt man sich an den bitteren Geschmack und man fängt an, Kaffee zu mögen. Dies kann auch mit anderen Lebensmitteln funktionieren, die man nicht auf Anhieb mag.

Eltern als Vorbild

Das Ernährungsverhalten der Eltern hat einen grossen Einfluss auf die Geschmacksentwicklung der Kinder.

Abneigungen und Vorlieben werden durch die Eltern beeinflusst und bestehen meist ein Leben lang. Deshalb sollte die Situationen, in der gegessen wird, besondere Aufmerksam geschenkt werden. Die Kinder sollten ihre Speiseauswahl selbst treffen können und nicht gezwungen werden, bestimmte Lebensmittel, die sie nicht mögen, zu essen. Denn diese Aversionen können nach einer gewissen Zeit von selbst wieder verschwinden. Wichtig ist nur, dass die Kinder keine schlechten Erinnerungen mit diesen Nahrungsmitteln in Verbindung bringen.

 

Themendossier